Buchvorstellung: Ingrid Müller-Münch: Die geprügelte Generation Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen

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Buchvorstellung: Ingrid Müller-Münch: Die geprügelte Generation Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen

Beitrag  rike am So Jun 03, 2012 11:12 am

Ich hab grade ein interessantes Buch gelesen und möchte es euch hier mal kurz vorstellen:


Ingrid Müller-Münch: Die geprügelte Generation Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen



Schon das Vorwort liest sich gut, beschreibt genau worum es der Autorin geht. Man darf nun aber keine wissenschaftliche Abhandlung erwarten sondern eine Sammlung von Erfahrungsberichten die zeigen wie normal Prügel unterschiedlichster Härte in der Generation der 50er und 60er Jahre waren und mit welchen Folgen die Betroffenen oft zu kämpfen haben.. hier mal ein Zitat aus dem Vorwort:


Auch bei meinen Interviewpartnern waren die Prügel ihrer Kindheit bis in die Seele vorgedrungen. Die Erinnerung daran hat die meisten ihr Leben lang begleitet. Hat bei dem einen das über Jahrzehnte andauernde Gefühl ausgelöst, keiner sieht mich, keiner mag mich, ich bin böse, ich bin ein Nichts! Denn jedes geprügelte Kind schleppt diesen schmerzhaften Ausdruck von Verachtung, der durch einen schlagenden Vater, eine ohrfeigende Mutter ausgedrückt wird, mit sich herum. Unsicherheit, Vertrauensschwund, mangelndes Selbstbewusstsein, Depressionen und Verlustängste sind oftmals die langanhaltenden Folgeschäden der Misshandlungen, die diese Menschen als Kinder erlitten.

Andere haben sich trotzig aufgebäumt, nun erst recht gesagt, und sich einem anstrengenden bewegenden Leben mit der Haltung gestellt: Ich habe die Prügel als Kind überlebt, nun kann mir heute wirklich keiner mehr etwas anhaben! Manch einer befreite sich durch eine Therapie, durch eine besondere Erfahrung, manchmal auch durch das Erleben einer anderen, glücklicheren Kindheit der eigenen Söhne oder Töchter.
[...]
Zunächst scheint es üblich gewesen zu sein, in den 1950ern und 1960ern, Kinder durch Prügel zur Raison zu bringen. Die einen wurden heftig und mit System geschlagen, andere hatten lediglich ab und zu Ohrfeigen bekommen. Einige waren verschont geblieben, hatten aber mit Gleichaltrigen gespielt, von denen sie wussten, dass die zu Hause Senge bekamen. Eine Tracht Prügel – die kannte fast jeder meiner Altersklasse, den ich hierauf ansprach. Ob aus eigener Erfahrung oder vom Hörensagen, lediglich das unterschied sich.




den Worten von G. Wallraff schließe ich mich an:

»Dieses Buch war längst überfällig. Eine äußerst spannend zu lesende Aufklärungsarbeit, die bisher weder wissenschaftlich noch publizistisch mit dieser Überzeugungskraft und Detailgenauigkeit geleistet wurde.« Günter Wallraff


ach ja.. sogar Michael hat seinen kleinen Platz dort im Buch gefunden:

Im 16.Kapitel "Wird heute noch geschlagen?" steht unter der Unterschrift "Eine Schmerz verursachende Güte" folgendes :

Auf die Frage eines Journalisten danach, ob er seinen später so berühmten Sohn Michael mit Rute und Gürtel geschlagen habe, antwortete Joseph Jackson: "Geschlagen habe ich ihn nie mit Rute und Gürtel. gepeitscht habe ich ihn damit! Schlagen tut man jemanden mit einem Stock, aber nicht mit Rute und Gürtel"
Crying or Very sad


ein lesenswertes Buch für alle die ein Interesse daran haben mehr über diese Zeit zu erfahren.. !!

284 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
€ 19,95 (D) / sFr 27,90* / € 20,50 (A)
ISBN 978-3-608-94680-2
Verlag Klett-Cotta
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